Barrierefrei mobil mit DELFIplus

Verlässliche Informationen für Menschen mit besonderen Mobilitäts­anforderungen

Ist ein Fahrstuhl am Zielbahnhof vorhanden? Ist dessen Tür breit genug für den Rollstuhl? Verfügt der gewünschte Bus über einen Niederflureinstieg? Diese und ähnliche Fragen gehören zum Reisealltag von Menschen, die aufgrund von Behinderung, aber auch durch das Mitführen von Gepäck, Kinderwägen oder Fahrrädern in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Ein Auskunftssystem, das zuverlässige Antwort auf diese Fragen liefern kann, ist deshalb nicht nur ein zusätzlicher Service, sondern unabdingbarer Bestandteil eines barrierefreien ÖPV-Netzes.

Genau hier greift DELFIplus: Das FuE-Projekt – gefördert vom BMVI (Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur) – soll sicherstellen, dass Reisende durchgängig entlang ihrer gesamten Route exakte Informationen zur Barrierefreiheit erhalten – und das deutschlandweit.

DELFIplus schafft Standards

Rampenneigungen, Türbreiten, Einstiegshöhen – Barrierefreiheit fußt auf harten Fakten, die in den einzelnen Systemen allerdings nicht so einheitlich interpretiert werden, wie es eine bundesweite Auskunft verlangen würde. Deshalb bestand die erste zentrale Zielsetzung von DELFIplus darin, im Rahmen von Bestandsaufnahme und Fachkonzept den Status Quo zu erfassen und zugleich die tatsächlichen Bedürfnisse zu identifizieren. Hierbei spielte die enge Zusammenarbeit mit Interessenverbänden eine wichtige Rolle, während die Ergebnisse aus den Vorgängerprojekten BAIM und BAIM+ bereits eine solide Forschungsgrundlage lieferten.

Um alle Aspekte einer barrierefreien Auskunft zielführend und anforderungsgerecht abzubilden, wurde nach der Bestandsanalyse eine Unterteilung in unterschiedliche Nutzergruppen vorgenommen. Mögliche Barrieren, die im zweiten Schritt im Fachkonzept identifiziert und klassifiziert werden sollten, wurden stets unter dem Gesichtspunkt der spezifischen Nutzergruppenrelevanz betrachtet und schließlich in einem Anforderungskatalog festgehalten.

Stufenkonzept für schrittweise Umsetzung

Eine klare Erkenntnis aus der Analyse der bisher vorliegenden Barrierefreiheitsoptionen war die ausgeprägte Heterogenität der beteiligten Systeme (siehe Abb. links: Barrierefreiheitsoptionen der DELFI-Teilnehmer). Vor diesem Hintergrund war klar, dass die länderübergreifende Anreicherung von DELFI mit detaillierten Informationen für barrierefreie Reiseketten mit erheblichem Erhebungs- und Erfassungsaufwand verbunden sein würde.

Um eine harmonische Datengrundlage sicherzustellen und dabei zugleich den Aufwand den regionalen Gegebenheiten und Kapazitäten einzelner Verbünde anzupassen, wurde ein Stufenmodell entwickelt, das die sukzessive Integration von Informationen zur Barrierefreiheit unterstützt. Damit steht es jedem Datenlieferanten frei, den Erfassungs- und Verarbeitungsaufwand von Barrierefreiheitsinformationen selbst zu bestimmen. Unabdingbar ist allerdings eine klare Kennzeichnung, ob Daten zur Barrierefreiheit überhaupt vorliegen und wenn ja, welche Bedeutung diese für die Reise und die Berechnung einer individuellen Route haben.

Vorteile durch neue Hybrid-Architektur

Die neue, hybride Architektur von DELFI – ebenfalls ein Ergebnis der Arbeiten aus DELFIplus – sieht die Bereitstellung eines gepoolten Datensatzes vor. In diesen DELFI-Datensatz fließen die barrierefreien Suchoptionen aller regionalen Datenlieferanten als Soll-Daten ein.

Ein großer Vorteil aus Sicht der Landessysteme: Der DELFI-Datensatz kann zusätzlich zu den globalen DELFI-Suchoptionen zur Barrierefreiheit auch die eigenen Optionen jedes Landessystems enthalten. Dies ermöglicht den Einsatz des DELFI-Datensatzes für die barrierefreie Suche im Landessystem mit den gewohnten regionalen Suchoptionen und länderübergreifend mit den globalen DELFI-Suchoptionen – und schafft so die nötigen Rahmenbedingungen, um optimal über die Gegebenheiten vor Ort zu informieren und dabei gleichzeitig einen bundesweit einheitlichen Auskunftsstandard einzuhalten.

Neben der Bereitstellung von Soll- ist auch die Anreicherung mit echtzeitrelevanten Informationen zu baulich bedingten Wegesperrungen oder auch zu vorübergehenden Wartungsarbeiten zum Beispiel an Fahrstühlen geplant.

Heißer Test im Proof-of-Concept

Die pragmatische Umsetzung der fachlichen Anforderungen im “Stufenkonzept Integration” sowie im neuen Architekturmodell “Hybrid-DELFI” hat den Weg zur Beauskunftung einer barrierefreien DELFI-Reisekette geebnet. Die operative Umsetzung dieser Konzepte wird derzeit von den DELFIplus-Projektpartnern im Rahmen eines Proof-of-Concept vorbereitet.

Als wesentliches Ergebnis wird zudem ein Praxis-Leitfaden für Akteure erstellt, die sich in ihrem Verantwortungsbereich des Themas “Informationen zur Barrierefreiheit in ÖV-Auskunftssystemen” annehmen möchten. Über DELFI können diese an der Beauskunftung deutschlandweiter, barrierefreier Reiseketten partizipieren.

Weitere Informationen zu DELFIplus und den Projektinhalten gibt es unter:
www.delfi.de/projekte/delfiplus