Gemeinsame Fortschreibung der Nahverkehrspläne für den Bereich des Zweckverbandes Oberhessische Versorgungsbetriebe (ZOV) und der Universitätsstadt Gießen

Die Generelle Bedeutung eines Nahverkehrsplans

Der Nahverkehrsplan (NVP) bildet den Rahmen für die Entwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs im Planungsgebiet. Er ist Grundlage für die Aufstellung und Finanzierung von Investitionsprogrammen. Der NVP dient der Definition und Bewertung des zukünftigen ÖPNV-Angebotes unter der Maßgabe, dass lokale und regionale Verkehre räumlich und zeitlich aufeinander abgestimmt sind.

Die Erfordernisse der Nahverkehrsplanung sind insbesondere bei der kommunalen Bauleitplanung zu berücksichtigen. Im Vordergrund stehen dabei vor allem die Wechsel­wirkungen zwischen Siedlungs­strukturen und Bebauungs­dichten sowie Verkehrs­infrastrukturen und Verkehrs­systemen. Siedlungs­gebiete sind so zu planen und zu gestalten, dass eine angemessene und wirtschaftliche ÖV-Anbindung hergestellt werden kann (s.a. § 13 ÖPNVG Integrierte Verkehrs- und Siedlungsplanung).

Die Rhein-Main-Verkehrsverbund Servicegesellschaft mbH (rms GmbH) sammelte in den vergangenen Jahren umfangreiche Erfahrung in der Erstellung und Fortschreibung von Nahverkehrsplänen, etwa bei der Fortschreibung des Nahverkehrsplans im Landkreis Marburg-Biedenkopf (2012 – 2016). Auch unterstützte die rms GmbH den Rhein-Main-Verkehrsverbund bei der Fortschreibung des Regionalen Nahverkehrsplans für das RMV-Verbundgebiet.

Ansatz der gemeinsamen Fortschreibung

Die Nahverkehrspläne für das Jahr 2014 für den Bereich des Zweckverbandes Oberhessische Versorgungsbetriebe (ZOV) und der Universitätsstadt Gießen stellen insofern eine Besonderheit dar, als sie im Zuge einer gemeinsamen Fortschreibung zweier Aufgabenträger erarbeitet wurden. Die Planungsleistungen wurden durch die Aufgabenträger gemeinsam ausgeschrieben und vergeben; die Bearbeitung erfolgte über eine Gliederung des Untersuchungsgebietes in Teilräume.

Die Nahverkehrspläne für das Gebiet des ZOV (Landkreis Gießen – ohne die Stadt Gießen, Vogelsbergkreis und Wetteraukreis) und der Universitätsstadt Gießen entstanden in enger Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern des ZOV sowie der Universitätsstadt Gießen und der mit der Planungserstellung beauftragten rms GmbH. Die Nahverkehrspläne erfassen und bewerten die derzeitige ÖPNV-Situation und definieren den zukünftigen öffentlichen Personennahverkehr im Planungsgebiet.

Folgende Leistungen erbrachte die rms GmbH im Rahmen der Fortschreibung:

  • Bestandsaufnahme
  • Abgrenzung von Verkehrsgebieten
  • Stadt-Umland-Verkehre
  • Übergreifende Standards
  • Mängelanalyse
  • Erstellung eines Anforderungsprofils
  • Untersuchung von Szenarien
  • Angebotskonzeption
  • Maßnahmenwirkung
  • Bewertung

Besonderes Ziel der gemeinsam koordinierten Fortschreibung war es, das Nahverkehrsangebot im Stadt-Umland-Bereich zu überprüfen und die Verzahnung von örtlichen und überörtlichen ÖPNV-Angeboten zu optimieren.

Anhörungsverfahren

Die rms GmbH unterstütze die Aufgabenträger zudem bei der Durchführung des Anhörungsverfahrens. Dieses wird durch die Bestimmungen des § 14 Abs. 7 des Hessischen ÖPNV-Gesetzes wie folgt vorgegeben: “Zu dem Entwurf des Nahverkehrsplanes sind die am Verfahren nach den § 8 Abs. 3 und § 14 des Personenbeförderungsgesetzes Beteiligten, benachbarte Aufgabenträger und das Land (zuständiges Ministerium: HMWVL) anzuhören.”

Die formale Anhörung informiert die Anhörungsberechtigten über die künftigen Anforderungen sowie die in den kommenden Jahren geplanten Maßnahmen. Als Vorgehen wurde ein zweistufiges Verfahren gewählt, das eine frühzeitige Einbindung der Anhörungsberechtigten in den Planungsprozess zum Ziel hatte.

Die Termine zur 1. Anhörungsrunde informierten die Anhörungsberechtigten in den verschiedenen Teilräumen über die Ergebnisse der Bestandsaufnahme und Mängelanalyse. Außerdem dienten sie dazu, Anregungen und Änderungswünsche bereits im Vorfeld zu erfassen. Die Termine zur 2. Anhörungsrunde (formale Anhörung) erfolgten auf Basis der NVP-Entwürfe.

Bei beiden Anhörungsrunden konnten sich sowohl der Kreis der Anhörungsberechtigten i.S.d. ÖPNVG/PBefG als auch Dritten mündlich oder schriftlich zur Fortschreibung des NVP äußern. Eingegangene Stellungnahmen und Anregungen wurden erfasst, geprüft und bewertet und bei positivem Prüfergebnis im Rahmen der NVP-Fortschreibung berücksichtigt.

Die Stellungnahmen wurden in verschiedene Themen eingeteilt, z. B. Schülerbeförderung, Tarif oder Anschlusssicherung. Die untenstehende Abbildung zeigt die Verteilung der Stellungnahmen der ersten Anhörungsrunde. Es ist deutlich zu erkennen, dass gut ein Viertel der Stellungnahmen den Aspekt der Fahrplangestaltung thematisiert. Eine große Rolle spielt auch das Thema Schülerbeförderung. Im Gegenteil hierzu ist ebenfalls zu erkennen, dass sich lediglich vereinzelte Stellungnahmen mit Themen wie dem Tarif und der Finanzierung beschäftigen.

Abbildung:
Themen der Stellungnahmen zur 1. Anhörung (gesamt 157)