ÖPNV-Sicherung im ländlichen Raum – von der Wissenschaft zur Praxis

Die Aufgabenstellung

Besonders in ländlichen Regionen Hessens muss aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen das ÖPNV-Angebot modifiziert werden, um auch zukünftig eine ausreichende Grundversorgung gewährleisten zu können.
Die fiskalische, siedlungsstrukturelle und demografische Entwicklung zwingt die Verkehrsaufgabenträger zu Modifizierungsmaßnahmen am bisherigen ÖPNV-Angebot. Denn mit einer abnehmenden Bevölkerungsanzahl sowie einer Anteilszunahme der älteren Bevölkerungsgruppen bei gleichzeitiger Schrumpfung der Schülerzahlen wandeln sich die Bedingungen grundlegend. Einige ländliche Regionen wie der Vogelbergkreis, der Schwalm-Eder-Kreis bzw. der Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind von diesen Entwicklungen besonders betroffen. Dort muss eine Anpassungsstrategie angewendet werden, die eine Umstrukturierung des ÖPNV hin zu flexibleren Bedienungsformen vorsieht.

Das Modellprojekt

Deshalb haben in Hessen der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) das gemeinsame Modellprojekt „ÖPNV-Sicherung im ländlichen Raum“ aufgelegt. So soll anhand der oben genannten ländlichen Regionen aufgezeigt werden, wie mit Hilfe einer maßgeschneiderten Anpassungsstrategie auch in Zukunft angesichts der geschilderten Problemlage das vorhandene ÖPNV-Angebot optimiert werden kann.
Anhand markanter Fallbeispiele aus den drei Regionen wurde eine vertiefte Untersuchung durchgeführt, welche Potenziale zur Effizienzsteigerung mit veränderten Angebotskonzepten erreicht werden können. Das zu erarbeitende ÖPNV-Angebot muss dabei den vorherrschenden Bedingungen im ländlichen Raum gerecht werden und zugleich unter Berücksichtigung aller einzubeziehenden Vorgaben das günstigste Angebot darstellen.

Die Ergebnisse

Ein Ergebnis des Projektes war, dass neben dem Ausgleich bisheriger Fahrplandefizite (im Bestand teilweise keine ausreichende Fahrtenanzahl innerhalb der Gemeinden vorhanden, kein Wochenendangebot, schlechtes Fahrzeitverhältnis ÖPNV/MIV etc.) die Fahrpläne wesentlich flexibler gestaltet wurden. Es wurden daher bedarfsgesteuerte Fahrtmöglichkeiten als Ergänzung zu notwendigen Schulfahrten eingefügt wurden, die durch gestreckte Linienwege auch kurze Fahrzeiten ermöglichen.
Zuvor wurde neben einer Bestands- und Mängelanalyse in allen Untersuchungsgebieten im NVV-Gebiet eine umfangreiche Verkehrsnachfrageerhebung durchgeführt, um mögliche Potenziale deutlicher herauszuarbeiten. Als Konsequenz wurden teilweise die Bedienungsformen bzw. Betriebsweisen angepasst.