Datum: 03.02.2020 | Aktuelle Projekte, Technik

Verbundweit integrierte On-Demand-Mobilität

Erste Erfahrungen aus der Umsetzung des Projekts OnDeMo-FRM

Im Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) werden 2021 neue On-Demand-Angebote in Betrieb gehen. Den zukünftigen Dienstleister für die On-Demand-Software gab der RMV Anfang Dezember 2020 bekannt, und wir nehmen diesen und weitere inhaltliche Meilensteine zum Anlass, erste Erfahrungen aus dem laufenden Projekt "OnDeMo-FRM" zu teilen.

Wir als rms koordinieren das Gesamtprojekt gemeinsam mit dem RMV; die Betreuung und Umsetzung erfolgt auf lokaler Ebene über die beteiligten Nahverkehrsorganisationen. Darüber hinaus geben wir gemeinsam mit weiteren Berater*innen fachliche Impulse – dank unserer Erfahrung aus anderen On-Demand-Projekten sowie dem Betrieb der Bedarfsverkehr-Leitstelle im RMV, und nicht zuletzt als innovationsfreudige Verkehrsingenieure 😊.

Was nun macht unser Pilotprojekt so besonders, dass es sich lohnt, schon vor der Inbetriebnahme über Erfahrungen zu sprechen?

Die Logos der teilnehmenden Partnerunternehmen bilden einen Kreis um das Piktogramm für On-Demand-Verkehre

Was macht OnDeMo-FRM so besonders?

In OnDeMo-FRM werden im Jahr 2021 zehn Gebietskörperschaften On-Demand-Angebote in Betrieb nehmen, die 100 Prozent lokal emissionsfrei und integriert in den bestehenden ÖPNV sind – wobei sie einerseits die Vorteile der Verbundwelt nutzen und andererseits die lokale Eigenständigkeit bewahren. Ein solcher Service ist mit dem "kvgOF Hopper" im Kreis Offenbach bereits seit Mitte 2019 unterwegs.

OnDeMo-FRM wird gefördert durch die Richtlinie "Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme" im Rahmen des Sofortprogramms "Saubere Luft 2017 – 2020" des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (mit einer Fördersumme von insgesamt 25 Mio. Euro) sowie durch das Land Hessen.

Folgende Randbedingungen sind in ihrer Kombination einzigartig:

  • 100 Prozent elektrisch: Im Vorhaben werden ausschließlich vollelektrische Fahrzeuge eingesetzt.
  • Geplantes Volumen von rund 150 Fahrzeugen:  Mit diesem Volumen überschreiten wir bei vielen Vergaben die EU-Schwellenwerte; zudem sind zehn Partner abhängig von der erfolgreichen und zeitgerechten Vergabe der jeweiligen Dienstleistung. Folglich liegt besonderes Augenmerk auf der Rechtssicherheit der Vergaben sowie der Vereinbarungen mit Partnern und Dienstleistern. Dies betrifft nicht zuletzt die Themen Datenschutz und AGB.
  • Einheitliche Tarifsystematik und Beförderungsbedingungen.
  • Einheitliche Standards und Qualität in der Bearbeitung von Kundenanliegen.
  • Wiedererkennbarkeit des Produkts „On-Demand-Mobilität“ im gesamten Verbundgebiet.
  • Auskunft, Buchung und Bezahlung: Ist möglich nicht nur über die proprietäre On-Demand-Applikation, sondern auch über die RMV-App mit rund drei Millionen Bestandsnutzern.
  • Einheitliche IT-Hintergrundsysteme ermöglichen:
    - verbundweite Nutzung ("Einmal registrieren, überall fahren"),
    - einheitliches Monitoring sowie
    - Synergieeffekte bei Setup, Betrieb und Weiterentwicklungen.
  • Abgestimmter Genehmigungsprozess:  Alle Teilprojekte sollen als "atypischer Linienverkehr" genehmigt werden.

Dieser erste Teil unserer Lessons Learned ...

... behandelt die Vergabe der On-Demand-Software und den Aspekt der Wiedererkennbarkeit. In weiteren Teilen geben wir bald Einblick in Datenschutz und AGB, die Integration in die RMV-App sowie die Vergabe und den Umgang mit E-Fahrzeugen.

Zwei Smartphones mit geöffneten Buchungs-Apps

1. Vergabe der Software-Dienstleistung

Ausgeschrieben wurde die Dienstleistung als Software-as-a-Service (SaaS), damit das Projekt zügig auf ein funktionierendes Tool zugreifen und von den Weiterentwicklungen anderer Auftraggeber profitieren kann. Eine Besonderheit war der Umfang des Lastenheftes, welches das Anforderungsspektrum der zehn Partner inklusive perspektivischer Funktionalitäten zur Digitalisierung der klassischen Sammeltaxi-Welt abdecken sollte.

Besonders war auch, dass wir den Anbietern intensiv auf die Finger geschaut haben: Wir wollten ein gutes Gefühl bekommen, welche Funktionalitäten bereits realisiert wurden, welche sich in der Entwicklung befinden und welche lediglich auf dem Papier existieren. Hierzu haben wir u.a. funktionsscharfe Referenzen gefordert und etwa 50 Anforderungen an protokollierten "Test-Tagen" demonstrieren lassen. Bei unseren Partnern und sogar bei unterlegenen Wettbewerbern ist dieses Vorgehen gut angekommen. Eine mögliche Weiterentwicklung dieses Gedankens wäre, eine kleine Auswahl wichtiger Funktionalitäten bereits in den Teilnahmewettbewerb zu verlagern.

Gleichwohl war es aus vergaberechtlicher Sicht durchaus herausfordernd, für diese Asset-Light-Dienstleistung klare Festlegungen zu treffen: Das beginnt bei der Gewichtung von Qualität und Preis (in einer Phase massiven Marktwachstums mit entsprechendem Preiswettbewerb), geht weiter mit der Abwägung zumutbarer Risiken für den Anbieter bis hin zur Abschätzung, ob die Zusagen des Bieters wirklich in dem geplanten Zeitrahmen realisierbar sind. Zumal wir die Absicherung über die vergaberechtlich zulässigen Pönalen für ein stumpfes Schwert halten (die Vermutung liegt nahe, dass die Anbieter diese ohne Murren aus der "Markteroberungskasse" zahlen würden). Kurzum: Wir sehen verschiedene Weiterentwicklungserfordernisse im Vergaberecht für derlei Dienstleistungen und halten den Erfahrungsaustausch in unserer Branche, wie bereits vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) initiiert, für eine Schlüsselaktivität.

Das Piktogramm des RMV On-Demand-Shuttle besteht aus einem Minibus und einem GPS-Zeiger

2. Wiedererkennbarkeit des Produkts

An Namen und Farben scheiden sich die Gemüter – das ist bei OnDeMo-FRM nicht anders 😊. Insbesondere, da unser Produkt ein lokales Mobilitätsbedürfnis erfüllt und gleichzeitig regional positioniert wird. Wir haben aus diesem Grund einen Rahmenauftritt entwickelt, der die Zugehörigkeit zum RMV verdeutlicht und den dennoch den Partnern viel Freiheit für einen "quasi-lokalen" Auftritt bietet.

Wir setzen auf das Etablieren einer einheitlichen Produktgattung: Diese besteht aus einem sprechenden Gattungsbezeichner à la U-Bahn, S-Bahn, Taxi und einem Icon. Beide Elemente werden in den Kommunikations- und Auskunftsmedien platziert und sollen dafür sorgen, dass die Fahrgäste verbundweit (und gerne über den Verbund hinaus) unser Produkt und dessen Funktionsweise bzw. Qualitätsversprechen wiedererkennen. Auf Grundlage von Kundenbefragungen haben wir uns für das "RMV On-Demand-Shuttle" entschieden: Ein Begriff, den die Fahrgäste schnell lernen und verstehen. Dazu gehört das passende Icon (siehe Bild).

"Unterhalb" der Produktgattung kann jeder Partner sein On-Demand-Angebot mit einem individuellen Produktnamen, Logo und Farbwelt positionieren, um den lokalen Bezug zu stärken.

Soviel zu den ersten Erfahrungen ...

... im Projekt OnDeMo-FRM. In rund zwei Monaten melden wir uns wieder – dann mit Einblicken in die Vergabe der Fahrzeuge und neuen planerischen Anforderungen sowie zu den Themen Datenschutz und AGB. Bis dahin freuen wir uns über Fragen und konstruktive Anregungen!

Gefördert durch das Bundesministerium für Verkehrs und digitale Infrastruktur sowie das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen

Mehr zum "RMV On-Demand-Shuttle"

... gibt es online unter https://sites.rmv.de/ondemo:

Mehr Infos zu OnDeMo-FRM

Bilder © RMV

Dr. Sven Kohoutek
Ihr Ansprechpartner

Dr. Sven Kohoutek

Geschäftsbereichsleiter Innovations- und Vertriebsmanagement

Fon: +49 69 27307-350
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Thorsten Möginger

Teamleiter New Mobility

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