Datum: 27.05.2021 | Aktuelle Projekte, Technik

Verbundweit integrierte On-Demand-Mobilität

Teil 2: Vergabe der Fahrzeuge

In dieser Reihe teilen wir erste Erfahrungen aus der Umsetzung des Projekts OnDeMo-FRM. Lesen Sie auch die weiteren Folgen:

Das Fahrzeug: Zentraler Kontaktpunkt der Kund:innen

Die On-Demand-Fahrzeuge sind neben der App und dem Fahrer der zentrale Kontaktpunkt der Fahrgäste; folglich steht das Kundenerlebnis in direktem Zusammenhang mit der wahrgenommenen Qualität der Fahrzeuge. Folglich bezogen sich wesentliche Anforderungen auf den Komfort der Fahrzeuge. Das zweite wichtige Anforderungskapitel betraf den Antrieb: Zur Minimierung der NOx-Schadstoffe und CO2-Emissionen wurde auf 100% elektrisch betriebene Fahrzeuge gesetzt. Und nicht minder wichtig: Die Gewährleistung der Barrierefreiheit auf einem ähnlichen Niveau wie im Linienbusverkehr.

Im Folgenden geben wir einen kleinen Einblick in die jeweiligen Anforderungen und die Struktur des Vergabeverfahrens. Insgesamt schlossen sich sieben der zehn Partner der gemeinsamen Fahrzeugausschreibung an.

Innenraumkonzepte

Die Anbieter mussten gewährleisten, dass die Fahrgäste beim Einstieg keine Sitzplätze umklappen müssen, um die hinteren Sitzreihen zu erreichen. Weiterhin wurden besondere Komfortmerkmale bewertet, wie individuell einstellbare Klimatisierung, Platz für WLAN-Router, Luftfederung sowie Vorklimatisierung.

Antrieb

Hinsichtlich des Antriebs wurde die Anforderung eines batterieelektrischen Motors gestellt. Daraus ergab sich die Laufleistung der Fahrzeuge als wichtiges Wertungskriterium, um Standzeiten für Ladezyklen so gering wie möglich zu halten. Beurteilt wurde die maximale Reichweite nach WLTP. Neben der Häufigkeit der Ladevorgänge wurde auch die Dauer der Ladevorgänge in Form der kombinierten Ladegeschwindigkeit bewertet. Für die datengestützte Optimierung des Betriebs der Elektrofahrzeuge wurden die Bieter zudem aufgefordert, eine offene Schnittstelle zum Betriebsdaten-Export bereit zu stellen.

Barrierefreiheit

Die Anforderungen der Barrierefreiheit stellen in der aktuellen Marktsituation der verfügbaren E-Fahrzeuge noch eine Herausforderung dar, müssen jedoch, wenn der On-Demand Verkehr unter einer Linienkonzession genehmigt wurde, zwingend berücksichtigt werden. Ein dementsprechender Umbau ab Werk ist meist nicht möglich und muss im Nachgang vom Auftraggeber in Eigenregie organisiert werden. Im Vergabeverfahren wurden die Bieter daher aufgefordert, zertifizierte Umbauwerkstätten zu benennen, in denen an einem Teil der Flotte ein barrierefrei umgebaut werden kannkann, ohne Einschränkungen in der Gewährleistung oder Zulassung zu riskieren.

Vergabeprozess

Überraschend war für das Konsortium, dass der Vergabeprozess an sich für viele Bieter eine Herausforderung dargestellte. Offensichtlich koordinieren in diesem Marktsegment nur wenige Hersteller die Angebotserstellung über eine zentrale Vergabestelle, so dass die lokalen Niederlassungen diesen Prozess bewältigen müssen. Diese wiederum scheinen nicht für die formalen und inhaltlichen Anforderungen einer europaweiten Ausschreibung aufgestellt zu sein. Zudem hat sich gezeigt, dass die Hersteller oftmals in keinster Weise von ihren Standards abweichen. Dadurch war es zum Beispiel nicht möglich, spezifische Anforderungen in Wartungspakete aufzunehmen, sondern diese müssen im Nachgang mit der zuständigen Vertragswerkstatt vereinbart werden.

Lessons learned

  • Die "Marktmacht" der ÖPNV-Branche gegenüber der Automobilindustrie ist quasi nicht vorhanden – selbst mit einem derart großen und prominent positionierten On-Demand-Projekt wie OnDeMo-FRM.
  • Die aktuelle Verfügbarkeit geeigneter voll elektrischer Fahrzeuge am Markt, in Verbindung mit hohen Anforderungen an Komfort, Laufleistung und Barrierefreiheit, ist stark begrenzt.

Bestellte Fahrzeuge

In der Fahrzeugausschreibung von OnDeMo-FRM setzte sich Mercedes-Benz mit dem eVito Tourer Pro durch. Mercedes Benz wird bis zu 74 Fahrzeuge liefern, die variabel mit sechs bis acht Sitzplätzen bestückt werden können. Die bestellten Fahrzeuge werden die im Kreis Offenbach und Stadt Darmstadt bereits eingesetzten und bestellten Fahrzeuge ergänzen. Die Gesamtflotte in OnDeMo-FRM wird bis zu 150 Fahrzeuge stark sein.

Herausforderung Angebotsplanung

Abseits der eigentlichen Vergabe bringt die vollständig auf Elektrofahrzeuge ausgerichtete Angebotsplanung eine zusätzliche Herausforderung, mit der Planer bereits jetzt und zukünftig immer mehr umgehen lernen müssen. Die Aufgaben rund um die Angebots- und Fahrplanung, Ladeinfrastruktur sowie Ladeprozesse waren bislang auf mehrere Disziplinen verteilt und müssen nun eng verzahnt werden.

Dies ist nach unserer aktuellen Einschätzung jedoch primär eine kulturelle Herausforderung, die aus der Gewohnheit kommt, in der klassischen Planung extrem detailliert und mit minimaler Restunsicherheit zu planen. Die Flexibilität von On-Demand-Angeboten wird hier auch vom Planer gefordert - eine iterative Planung beginnend mit einem pragmatischen Ansatz ist hier häufig der richtige Weg. Entsprechende Puffer können im laufenden Betrieb nach und nach aufgelöst werden, wenn man ein Gefühl für die tatsächlichen Reichweiten der Fahrzeuge, die Leerkilometeranteile etc. entwickelt hat.

Wie geht es weiter?

Zwei Partner, die kvgOF und die HEAG mobilo, haben bereits den Betrieb aufgenommen, wobei die kvgOF über ihr Initialprojekt "Hopper" bereits auf rund 2 Jahre Erfahrungen zurückgreift und somit regelmäßig wichtige Impulse an das Gesamtprojekt gibt.

Mit der RTV und der Stadt Limburg folgen im Sommer zwei weitere Partner; bis Ende 2021 werden sukzessive alle Partner den Betrieb aufgenommen haben und die bereits gesammelten rechtlichen, technischen und organisatorischen Erfahrungen um operative Expertise bereichern. Sobald Erfahrungen aus der Inbetriebnahme oder dem Hochlauf mehrerer Angebote vorliegen, werden wir an dieser Stelle wieder berichten.

Mit Tarifbestimmungen und Beförderungsbedingungen ...

beschäftigt sich in Kürze die nächste Folge unserer "Lessons Learned" zum Projekt OnDeMo-FRM. Stay tuned!

Das Piktogramm des RMV On-Demand-Shuttle besteht aus einem Minibus und einem GPS-Zeiger

Mehr zum "RMV On-Demand-Shuttle"

... gibt es online unter https://sites.rmv.de/ondemo:

Mehr Infos zu OnDeMo-FRM

Bild © RMV

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