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Datum: 17.09.2025 | News

Mobilitäts-Talk „Rhein-Main-Spree“ vereint Branche, Politik und Wirtschaft

Zur vierten Auflage des Mobilitäts-Talks „Rhein-Main-Spree“ luden rms, RMV und Mobilligence am 2. September nach Berlin ein. Über 100 Gäste verfolgten die spannende Podiumsdiskussion zur Zukunft des ÖPNV – moderiert von rms-Geschäftsführer Jörg Puzicha. 

Ringat Impuls

Deutschland-Ticket vs. Tarifreform

RMV-Chef Prof. Knut Ringat gab zum Auftakt einen Impuls zu den Folgen des Deutschland-Tickets und der in dessen Folge dringend nötigen Tarifreform. „Das Deutschland-Ticket  ist das meistgenutzte Ticket in Deutschland – 13,5 Millionen Menschen sind damit unterwegs, in Frankfurt nutzt es jeder Dritte“, so Ringat. Die Preiserhöhung auf 58 Euro habe dem Erfolg keinen Abbruch getan, doch die Finanzierung ab 2026 sei alles andere als gesichert: Es fehle eine klare Governance – und sollte die Finanzierungslücke nicht geschlossen werden, seien Leistungskürzungen kaum zu vermeiden.

Ringats Forderung: „Wir brauchen eine Preisindizierung von Seiten des Bundes, und wir als Branche müssen unsere Tarifsysteme verschlanken.“ In der Wahrnehmung der Kunden werde das System ÖPNV immer teurer und schlechter. „Diese Spirale wollen wir durchbrechen und den RMV-Tarif stärken – mit attraktiven regionalen Angeboten und mehr Planungssicherheit.“ 

Falk Nevska

Podiumsdiskussion: 
Zwischen „geil“ und Governance

Die anschließende lebhafte Diskussion zwischen Henrik Falk (BVG), Anna-Theresa Korbutt (HVV), Dr. Olga Nevska (Telekom MobilitySolutions) und Prof. Knut Ringat war geprägt von den unterschiedlichen Blickwinkeln auf die Herausforderungen und Chancen der Branche. Henrik Falk brachte es auf den Punkt: „Wir müssen etwas hinstellen, was die Leute geil finden! Was wir als Branche über Tarife besprechen, interessiert die Fahrgäste nicht. Der Fahrgast braucht ein Produkt, das funktioniert.“

Anna-Theresa Korbutt bekräftigte, dass man aus Kundensicht denken muss, um den ÖPNV in die Zukunft zu bringen. Bei der Kundenorientierung könne man von anderen Branchen lernen: „Niemand bezahlt 58 Euro, wenn er am 28. Januar ein Deutschland-Ticket braucht. Überall bieten Abos einen untermonatigen Einstieg, nur beim Deutschland-Ticket nicht“. Dennoch habe das Deutschland-Ticket im HVV große Nutzungszuwächse gebracht, auch im ländlichen Raum. Damit die Branche trotz Interessenkonflikten ihre Kräfte bündelt, wünscht sich Korbutt eine stärkere Governance von Seiten des Bundes in der Ländersache ÖPNV.

Nevska

Zusammenarbeit ist Pflicht

Olga Nevska plädiert nach dem Aus der Telekom-eigenen MaaS-App „goodride“ umso stärker für die aktive Zusammenarbeit zwischen großen Unternehmen und der Branche, damit der Shift vom Auto zum ÖPNV gelingt. Auch Unternehmen profitieren davon: „Betriebliche Mobilität schafft Mitarbeiterzufriedenheit, und Aktionäre fragen, wie es mit der CO2-Reduktion aussieht.“ Nevska fordert, dass man die große Vision nicht verlieren dürfe: „Wie soll Mobilität in Deutschland aussehen? Dazu gehört, dass wir gemeinsam Synergien schaffen.“

Auch Prof. Ringat sieht die Branche bei der Zusammenarbeit in der Pflicht: „Wir scheitern als Branche an der Standardisierung und gemeinsamen Umsetzung. Aber: Wir müssen aus der Branche heraus aktiv unser Know-how einbringen, damit das Deutschland-Ticket zum noch größeren und nachhaltigen Erfolg wird.“

Korbutt

Effiziente Strukturen schaffen 

Einig war man sich in diesem Punkt: Die Zukunft der Mobilität ist vernetzt, digital, elektrisch und zunehmend autonom. „In 20 Jahren wird es die Unterscheidung zwischen ÖPNV und Individualverkehr nicht mehr geben“, so Henrik Falk. Anna-Theresa Korbutt wünscht sich, dass die Branche ihre “Alles-ist-schlecht”-Mentalität ablegt: “Wir haben finanzielle Unterstützung, gute Leute, Technologien – machen wir was draus!”

Den Appell am Ende fasste Jörg Puzicha zusammen: “Wir müssen die richtigen Strukturen schaffen und erkennen, wie wir damit sehr viel Geld einsparen können.” Der RMV gehe hier voran in Richtung eines einheitlichen, verbundweiten Hintergrundsystems, das perspektivisch den ÖPVN in ganz Hessen antreiben könnte.